Mehrkanalton im Radio
1995 hat das IRT erstmals digitale Hörfunksendungen im Mehrkanalton-Verfahren mit dem Format MPEG1-Layer II realisiert. Seitdem beobachten und bewerten unsere Mitarbeiter die weitere Entwicklung von 5.1 Mehrkanaltonverfahren wie Dolby Digital, Dolby Digital Plus, DTS, MPEG AAC, HE AAC, Windows Media und MPEG Surround genau. Wir untersuchen dabei, wie man diese Verfahren in bestehende und neue Systeme für Fernseh- und Hörfunkübertragungen in Rundfunk und Internet einbinden kann. Unsere Fachleute führen umfangreiche Tests mit mehrkanalfähigen Set-Top-Boxen durch, erstellen entsprechende Richtlinien für Playout-Betreiber und Hersteller von Set-Top-Boxen und erproben die Möglichkeit des Streamings von Mehrkanalton im Internet.
Untersuchungen zur Audioqualität
Im IRT finden regelmäßig objektive und subjektive Untersuchungen zu neuen 5.1 Mehrkanaltoncodierverfahren statt.
Das IRT führt den Vorsitz der EBU-Projektgruppe B/MAE (Broadcast Management – Multichannel Audio Quality Evaluation) und realisiert dabei in herausgehobener Stellung zusammen mit Experten aus anderen Ländern europaweite Testprogramme.
Mobiler Empfang mit MPEG Surround
Zusammen mit der BMW-Group hat das IRT eine Designstudie erstellt, um 5.1 Mehrkanalton im neuen MPEG-Surround-Format über DAB zu senden. MPEG-Surround ist ein neu entstehender internationaler Standard, der die Übertragung von 5.1 Mehrkanalton abwärtskompatibel zu einem Stereosignal ermöglicht – mit nur ca. 10% mehr an Datenrate, die ein hochwertiges Stereosignal benötigt.
Die zusätzlichen Kanäle – bestehend aus Center, linkem und rechtem Surround und dem LFE-Kanal (Low Frequency Effect) – werden mit Hilfe parametrischer Information gewonnen, die dem Feld für Zusatzdaten des MPEG-1 Layer II Stereosignals in kompatibler Form hinzugefügt wird. Die dadurch erreichte Audioqualität kommt der Qualität herkömmlicher Mehrkanaltoncodierverfahren mit im Durchschnitt „guter Qualität” schon recht nahe.
Zur Kodierung der Zusatzdaten für den Surroundton wird üblicherweise eine Bitrate von 15-20 kbit/s benötigt. Während diese Zusatzinformation für herkömmliche Stereo-DAB-Radios, die lediglich ein einfaches Stereosignal empfangen, unsichtbar ist, können zukünftige mehrkanalfähige Empfänger nach dem MPEG-Surround-Standard dank der Zusatzinformation ein für viele Anwendungsfälle ausreichend gutes 5.1 Surround-Soundsignal aus dem Stereosignal extrahieren. So werden Autofahrer bald während der Fahrt 5.1 Mehrkanalton genießen, da mit MPEG-Surround die relativ geringe Kapazität bei terrestrischen Übertragungskanälen für einen großartigen Hörgenuss im Auto genutzt werden kann.
Emotionen durch 5.1 Mehrkanalton und HDTV
Die gelungene Verbindung von gutem 5.1 Mehrkanalton und bestechend scharfen HDTV-Bildern garantiert ein besonders emotionales Fernseherlebnis.
Das IRT hat in den vergangenen Jahren zusammen mit mehreren Rundfunkanstalten und der HFF in Babelsberg einige Testfilme produziert, die auf verschiedenen Veranstaltungen wie zum Beispiel der Tonmeistertagung, diversen HDTV-Workshops und der Internationalen Funkausstellung 2005 mit großem Erfolg vorgeführt wurden. Die Reaktionen des Publikums haben gezeigt, dass die HDTV-Bilder nur dann ihre volle Wirkung zeigen, wenn auch der Ton ebenbürtig behandelt wird – ein klarer Hinweis darauf, dass die Entscheidung, im Rundfunk den Schritt hin zu 5.1 Mehrkanalton zu beschreiten, absolut richtig war. Dabei müssen, was hochwertigen Ton anbelangt, zwischen SDTV und HDTV keine Unterschiede gemacht werden: für beide TV-Formate gilt das gleiche Tonformat 5.1!
Weitere Informationen zu HDTV und Mehrkanalton

