Peer-To-Peer Broadcasting P2P

Rundfunkübertragungen lassen sich im Internet derzeit nicht effizient realisieren, da vom Provider für jeden Teilnehmer ein eigener Datenstrom bereitgestellt werden muss (Unicast). Erst mit der Einführung des kommenden IPv6-Protokolls durch Internet-Service-Provider (ISP) kann von einer breiten Unterstützung des IP-Multicast-Verfahrens ausgegangen werden, bei dem Datenströme effizient an bestimmte Nutzer-Gruppen weiter geleitet werden. In der Übergangszeit können vom Filesharing bekannte Peer-To-Peer-Systeme als Alternative dienen. Solche Overlay-Netzwerke können auch für Live-Übertragungen genutzt werden, wobei die providerseitigen Netzressourcen pro "P2P-Cloud“ jeweils nur mit der Bandbreite eines einzigen Empfängers belastet werden.

Das IRT hat sich schon frühzeitig in Theorie und Praxis mit den Problemen der P2P-Technik auseinandergesetzt und arbeitet an erweiterten Lösungen, die auf der Peer-to-Peer-Technologie beruhen. Dabei wird die Netzwerkarchitektur optimal genutzt, da die Quelldaten in kleine Teile („Chunks“) zerlegt und von allen Benutzern wiederum weiterverteilt werden, ohne zentrale Server zusätzlich zu belasten. Im Unterschied zum klassischen Streaming, bei dem mehr Zuschauer zugleich mehr Kosten für den Inhalteanbieter bedeuten, gilt bei Peer-to-Peer das Gegenteil: Je mehr Zuschauer, desto stabiler wird das System, es entstehen aber keine zusätzlichen Kosten für den Inhalteanbieter. Die P2P-Technologie erlaubt somit, ein viel größeres Publikum zeitgleich bei geringeren Kosten anzusprechen (vorausgesetzt die Netzkosten der Peers sind in deren Flatrate subsumiert.

Trotz des stark wachsenden Unicast-Aufkommens durch Audio- und Videoportale wie YouTube, Mediathek und Co. nimmt P2P immer noch einen wesentlichen Teil des weltweiten Internetverkehrs ein. Aufwändige Conten-Delivery-Netzwerke (CDN) zur Stabilisierung des fehlenden „Quality of Service“ heutiger HTTP-Übertragungen im Internet könnten in Zukunft durch eine hybride P2P-Unterstützung entlastet werden. Dabei bleibt die inhaltliche und technische Netzneutralität nicht nur für Rundfunkanwendungen wesentliche Voraussetzung einer nachhaltigen Nutzung des offenen Internet vom ISP- über Backbone- und CDN-Provider bis hin zum Endverbraucher.

Förderprojekt P2P-Next

Ziel des europäischen Förderprojektes „Next Generation Peer-To-Peer Content Delivery Platform“ ist die Entwicklung eines offenen, europaweiten „Next-Generation“-Distributionssystems für Internet-Fernsehen (Web-TV) auf Basis von Peer-to-Peer-Technologien. In dem Konsortium arbeitet das IRT mit der BBC, diversen Universitäten, Herstellern wie Pioneer sowie der Europäische Rundfunkunion (EBU) und anderen Rundfunkanstalten aus Europa zusammen. In dem Projekt werden die Möglichkeiten der Filesharing-Technik für das Fernsehen der Zukunft untersucht und erprobt. Auch rechtliche und regulatorische Aspekte werden berücksichtigt, da P2P-Protokolle vor allem als Technologie für illegales Filesharing bekannt wurden. Um entsprechenden Vorbehalten entgegenzuwirken, wird unter anderem Netzwerk-Betreibern und Inhalte-Inhabern gezeigt, wie P2P-Technologien für den legalen Vertrieb ihrer Angebote genutzt werden können.

P2P-Next entwickelt und implementiert einen äußerst bandbreiteneffizienten Mechanismus für Streaming-Inhalte, die simultan ohne zentralen Server an Millionen Empfänger gesendet werden. Das Verfahren basiert dabei auf quelloffenen Tribler-Protokollen, die auch bei BitTorrent eingesetzt werden. In dem plattformübergreifenden Ansatz können die gleichen Inhalte mit einer PC-Software („Nextshare-PC“ bzw. Browser-Plugin) wie auch einer Software für Settop-Boxen („Nextshare TV“) über das Filesharing-Overlay-Netzwerk genutzt werden.

Das IRT untersucht und testet in dem Projekt vor allem die Leistungsfähigkeit einer solchen Infrastruktur für den Austausch typischer Rundfunkinhalte bis hin zur HDTV-Qualität über geeignete symmetrische DSL-Zugänge. Des weiteren wird die Unterstützung öffentlich-rechtlicher Anforderungen evaluiert. Hierzu zählen die unverschlüsselte Verbreitung im P2P-Netz von einem Nutzer (Peer) zum nächsten sowie die gleichzeitige Sicherstellung der Integrität der TV-Dienste. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Standardisierung und Spezifikation neuer, international einsetzbarer P2P-Protokolle, die sowohl im IT-, wie auch im CE-Bereich genutzt werden können und alle nötigen Rundfunkzusatzdienste vom Untertitel bis zur interaktiven Applikation unterstützen.

Zur offiziellen Homepage von P2P-Next

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