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50 Jahre Farbfernsehen in Deutschland

13.09.2017

Der Weg zum Farbfernsehen in Deutschland. Ein Rückblick von Klaus Merkel.

Die Vorgeschichte

Ebenso wie bei den älteren Medien Fotografie und Film waren auch beim Start der ersten Fernsehprogramme in der 1930er Jahren die Bilder noch in Schwarzweiß. Und ebenso wie bei der Fotografie und beim Film gab es auch beim Fernsehen schon sehr früh erste Überlegungen und Versuche in Richtung farbiger Bilder, denn das damals schon lange bekannte Grundprinzip der Zerlegung einer beliebigen Farbe in drei Grundfarben lässt sich auf jedes Bildmedium anwenden. Seit den späten 1870er Jahren befassten sich Erfinder mit dem Problem der elektrischen Übertragung bewegter Bilder – dem Fernsehen. Unter den vielfältigen Vorschlägen für Fernsehsysteme tauchte 1880 in einem Zeitschriftenartikel auch eine Idee auf, wie man dabei die Bildpunkte farbig übertragen könnte. Und noch bevor in den letzten Jahren vor dem ersten Weltkrieg die ersten noch denkbar primitiven Fernsehdemonstrationen überhaupt gezeigt wurden, meldete Otto von Bronk 1902 das erste Patent für ein Farbfernsehsystem an.

Der Weg zum Farbfernsehen

Ab Mitte der 1920er Jahre machte die Fernsehtechnik durch Fortschritte in Elektronik und Radiotechnik entscheidende Schritte nach vorne und näherte sich allmählich der Praxistauglichkeit. Während sich die Entwicklungsarbeiten international vorwiegend darauf konzentrierten, alle technischen Komponenten für einen öffentlichen Start des Schwarzweißfernsehens zu verbessern, führten 1928/29 Laboratorien in England und den USA bereits erste praktische Versuche und Demonstrationen zum Farbfernsehen durch. 1935 wurde in Deutschland der Fernsehprogrammbetrieb offiziell eröffnet und in den folgenden Jahren inhaltlich und technisch erheblich ausgebaut und verbessert. Eine maßgebliche Rolle spielte dabei die Deutsche Reichspost, deren 1937 gegründete Reichspostforschungsanstalt sich von Beginn ihrer Arbeiten auch mit der Konzeption und Entwicklung von Farbfernsehsystemen befasste. Farbfernsehdemonstrationen mit den Ergebnissen dieser Arbeit wurden 1937 und 1938 auf den Funkausstellungen in Berlin öffentlich vorgestellt. In dieser Zeit meldete Werner Flechsig von der Fernseh A.G. ein Patent für eine Farbbildröhre an, das später für viele Jahrzehnte die technische Grundlage für die Bildwiedergabe in jedem Farbfernseher werden sollte.

Der zweite Weltkrieg änderte die Prioritäten der Reichspost und die Farbfernsehentwicklungen wurde 1940 ebenso eingestellt wie die Weiterentwicklung der zivilen Fernsehtechnik insgesamt. Nur in den USA trieb zunächst Peter Goldmark vom Columbia Broadcasting System (CBS) die weitere Farbfernsehentwicklung voran. Er hatte 1940 ein Farbfernsehsystem entwickelt, bei dem die Farbe im Fernsehempfänger durch ein Farbfilterrad entstand, das mit hoher Drehzahl vor einer Schwarzweiß-Bildröhre rotierte. Die notwendige Mechanik erlaubte nur relativ kleine Bilder und das System insgesamt hatte den Nachteil, dass die bereits im Markt befindlichen Schwarzweiß-Geräte die Farbsendungen nicht empfangen konnten. Dennoch erhielt die CBS für das System 1950 schließlich eine Sendegenehmigung. Die massiven Nachteile des Verfahrens motivierten jedoch Fachleute in den USA, eine bessere Lösung zu finden. Einen großen Schritt dazu tat die Radio Corporation of America (RCA) mit der Entwicklung einer marktreifen Farbbildröhre auf der Grundlage der Idee von Werner Flechsig. Damit wurde eine Bildwiedergabe ohne mechanische Teile möglich. Weiterhin wurde in Expertengruppen des „National Television System Committee“ (NTSC) ein Übertragungsverfahren entwickelt, bei dem die Farbinformation gemeinsam mit dem Schwarzweiß-Fernsehbild in einem einzigen Übertragungskanal gebündelt werden konnte. Damit war auf den existierenden Schwarzweiß-Empfänger das gewohnte Fernsehbild sichtbar, während die neuen Farbempfänger zusätzlich die Farbinformation decodieren und zusammen mit dem Schwarzweiß-Signal in ein Farbbild umrechnen konnten. Mit dieser NTSC-Norm und der RCA-Farbbildröhre war für das Farbfernsehen in den USA und vielen weiteren Ländern eine für Jahrzehnte gültige Technik gefunden. In den USA startete der reguläre NTSC-Sendebetrieb 1954.

Das PAL-Verfahren

Nach 1945 war in Deutschland jede Arbeit am Fernsehen zunächst verboten. 1948 konnte der Nordwestdeutsche Rundfunk die Fernsehentwicklung wieder aufnehmen und bald erste Versuchssendungen durchführen. Nach einigen Jahren des Testbetriebs und des Ausbaus von Studio- und Übertragungskapazitäten starteten die ARD-Anstalten 1954 ihr gemeinsames erstes Fernsehprogramm – im selben Jahr wie das NTSC-Farbfernsehen in den USA. An eine einfache Übernahme des NTSC-Systems war dabei zunächst aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu denken – dies galt für ganz Europa; überall war noch Aufbauarbeit zu leisten, die Farbtechnik im Studio wie auch auf der Empfängerseite noch viel zu teuer. Trotzdem begannen die Fernsehexperten in Deutschland und ganz Europa damals, sich mit dem Farbfernsehen näher zu beschäftigen und insbesondere, das NTSC-System intensiv auf seine Eignung für die hiesigen Fernsehstandards zu prüfen. Es war früh aufgefallen, dass die NTSC-Farbcodierung schon bei geringen Signalverzerrungen bei der Übertragung zu instabilen Farbtönen führte. Seit Mitte der 50er Jahre arbeiteten daher verschiedene Firmen und Institutionen in Europa an Verbesserungen des NTSC-Systems. So entstand 1956 in Frankreich das „SECAM“-Farbverfahren und schließlich „PAL“, das 1961 von dem Telefunken-Mitarbeiter Walter Bruch entwickelt wurde. PAL ist NTSC sehr ähnlich, der entscheidende Unterschied besteht darin, dass bei PAL die Farbinformationen von Zeile zu Zeile mit jeweils umgekehrten Vorzeichen übertragen werden und die Übertragungsfehler sich damit auf der Empfangsseite kompensieren lassen.

PAL startet in Deutschland

Unter dem Vorsitz von Richard Theile, dem damaligen Direktor des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) in München gründete die Europäische Rundfunkunion 1962 eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, für ganz Europa einen einheitlichen Farbfernsehstandard festzulegen. Die drei Kandidaten NTSC, SECAM und PAL wurden intensiv untersucht, dazu wurden in verschiedenen Ländern Testsendungen durchgeführt. Im Dezember 1963 wurden dabei die ersten PAL-Livesendungen aus dem IRT über Sender der ARD ausgestrahlt. Die Experten neigten mehrheitlich deutlich zu PAL, als noch vor einer offiziellen Entscheidung Frankreich 1965 einseitig verkündete, SECAM einzuführen. Diese Entscheidung war auf politischer Ebene getroffen worden, als Partner hatte Frankreich dabei die UdSSR gewonnen und gehofft, alle anderen Ländern würden nun dieser Entscheidung folgen. Doch fast alle Länder Westeuropas entschieden sich dennoch für PAL – der Verzicht auf PAL schien ihnen als Preis für ein europaweit einheitliches System zu hoch. Die BBC startete als weltweit erstes Land am 1. Juli 1967 ein PAL-Farbfernsehprogramm. Nur wenige Wochen später läutete der damalige Vizekanzler Willy Brandt mit einem symbolischen Knopfdruck am 25. August 1967 auf der 25. Funkausstellung in Berlin das Farbfernsehzeitalter in Deutschland ein, ebenfalls unter Verwendung des PAL-Systems. Wegen der politischen Abhängigkeit von der UdSSR nutzte die DDR hingegen von der Einführung der Farbe 1969 bis zur Wiedervereinigung den SECAM-Standard. Der Anteil der Farbsendungen im Programm in der BRD war zunächst noch gering. Aufgrund der anfangs deutlich höheren Gerätekosten gehörten Farbempfänger erst gegen Ende der 1970er Jahre zur Standardausstattung in deutschen Wohnzimmern.

Seit der Einführung des digitalen Fernsehens wird viel an höherer Bildauflösung (HD, UHD) und nun auch an höherem Kontrastumfang und erweitertem Farbspektrum gearbeitet. Digitaler Empfang auf HD-Flachbildschirmen ist zum neuen Standard geworden. Doch beim Kabelempfang nutzen heute noch immer Millionen von Fernsehzuschauern analoges Fernsehen mit dem vor 50 Jahren so erfolgreich eingeführten Farbfernsehstandard. Allerdings nähert sich PAL mit seinem Jubiläum auch dem Ende seiner Lebensdauer. Ein erster Kabelnetzanbieter hat im Juni 2017 in seinen Netzen PAL abgeschaltet und in Bayern und Sachsen regeln Landesmediengesetze ein Auslaufen der analogen Kabelverbreitung zum 31.12.2018.

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