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EBU veröffentlicht Werkzeuge für NGA-Produktionen

Die EBU und ihre Mitglieder BBC R&D und IRT haben die "EAR Production Suite" veröffentlicht, eine Sammlung von Werkzeugen für die Produktion immersiver und personalisierbarer Audioinhalte, die für jeden Verbreitungscodec geeignet sind. Die derzeit verfügbaren Produktionswerkzeuge sind in der Regel an eines der bestehenden kommerziellen "Next Generation Audio" Systeme (AC-4, MPEG-H und DTS:X) gebunden und verfügen nur über einen begrenzten und Codec-spezifischen Funktionsumfang. Die EAR Production Suite, die auf dem freien "Audio Definition Model" Format aufbaut, soll die Einführung von Next Generation Audio (NGA) erleichtern, indem sie in der Produktion einen Codec-unabhängigen Workflow ermöglicht.  

Die EAR Production Suite ist ein Open-Source-Projekt und unterstützt das Audio Definition Modell (ADM) nativ. Sie besteht aus einer Reihe von VST®-Plugins für digitale Audio-Workstations (DAWs) zum Abhören von Programminhalten auf jeder beliebigen ITU-R BS.2051-Lautsprecherkonfiguration unter Verwendung des „ITU ADM Renderers“ (ITU-R BS.2127). Die Suite ermöglicht es Fachleuten ebenfalls, ADM-Dateien zu importieren und zu exportieren, die mit dem EBU ADM-Produktionsprofil (Tech 3392) kompatibel sind. Die VST®-Plugins sind derzeit für die Reaper-DAW optimiert, welche über eine Erweiterungsschnittstelle verfügt, die für den Import und Export von ADM-Dateien innerhalb eines BW64-Containers verwendet wird.  

Die Zusammenarbeit zwischen BBC R&D und IRT fand unter dem Dach der EBU Audio Systems-Gruppe statt und begann im Frühjahr 2019. Experten und Software-Ingenieure beider Organisationen haben bei der Entwicklung der Suite agile Methoden eingesetzt. 

Die EAR Production Suite ist voll funktionsfähig und demonstriert den beabsichtigten Einsatz von ADM in Audioproduktions-Workflows, wodurch eine Blaupause für konsistente Integrationen der relevanten Standards in anderen professionellen Werkzeugen geschaffen wird. 

Hintergrund
NGA ermöglicht Audioerlebnisse die barrierefrei, personalisierbar und interaktiv sind - unabhängig davon, wie und womit sie konsumiert werden, sei es über Kopfhörer, Soundbars oder Multi-Lautsprecher-Setups. NGA befreit Produzenten von der Notwendigkeit mehrere Audiomischungen für verschiedene Wiedergabesysteme oder Plattformen erstellen zu müssen, da sie stattdessen ein einziges, vielseitig einsetzbares Audiomaster produzieren. 

NGA ist deshalb so flexibel und skalierbar, weil es alle relevanten Bestandteile der Tonmischung mit Metadaten beschreibt - so wie es ein Skript für die Elemente eines Theaterstücks tut. Das können beispielsweise Positionsdaten, Lautstärkewerte oder semantische Informationen wie z.B. "Dialog", "Musik" oder ähnliches sein. Diese Metadaten werden am Mischpult oder in der DAW erstellt und zusammen mit den Audioelementen zum Endgerät des Benutzers transportiert, wo sie vom Renderer in Audiosignale umgewandelt werden, die perfekt für das spezifische Wiedergabesystem des Geräts (z.B. Kopfhörer, Stereo, 5.1 usw.) passen. Innerhalb vom Toningenieur festgelegter Freiheitsgrade kann der Benutzer anhand seiner Vorlieben und Bedürfnisse die Wiedergabe anpassen.  

Für Rundfunkanstalten sind Interoperabilität und Reproduzierbarkeit entscheidende Faktoren. Die einzige Möglichkeit dies zu ermöglichen ist die Nutzung von offenen Standards. Die EBU arbeitet mit Standardisierungsgremien wie der ITU-R, AES, SMPTE und ETSI zusammen, um die erforderlichen offenen Standards für NGA zu entwickeln und dessen Einführung in Rundfunkanstalten zu erleichtern. Um die Interoperabilität von NGA-Workflows zu gewährleisten, ist es entscheidend, einen gemeinsamen Standard für die Metadaten festzulegen, die zur Beschreibung des Tons verwendet werden. Das in ITU-R BS.2076 definierte Audio-Definitionsmodell (ADM) und der dazugehörige Renderer in ITU-R BS.2127 sind solche Standards. 

 

Projekt-Website: https://ear-production-suite.ebu.io/

Open-Source-Projekt: https://github.com/ebu/ear-production-suite

 

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