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Forschungsprojekt dwerft veröffentlicht erste Version des Wissensmodells „digital media ontology“

Eine große Herausforderung, vor der heutzutage Nutzer wie professionelle Anwender gleichermaßen stehen, ist die Informationsflut. Um relevante Inhalte im linearen Fernsehen und auf allen Video-on-Demand Portalen zu finden, bedarf es qualitativ und quantitativ hochwertiger Beschreibungen der Inhalte, sogenannter Metadaten. Diese werden von Suchmaschinen ebenso genutzt wie von Empfehlungssystemen in Mediatheken und Video-on-Demand-Portalen wie Netflix oder Amazon Prime oder auch bei sprachgesteuerten Diensten wie Alexa. Und je präziser die Suchanfrage des Nutzers ist – beispielsweise die Inhalte einer bestimmten Szene einer Sendung oder eines Beitrags – desto komplexer wird die Situation auf der Metadaten-Ebene und auf den Systemen, die darauf basierend Suchanfragen verarbeiten.

Wie bilden wir die Bedeutung dessen, was auf Szenenebene geschieht, in einem Informationsmodell ab? Klassische Metadatenmodelle sind nicht dafür geeignet, den Komplexitätsgrad dessen, was inhaltlich innerhalb einer Szene geschieht, abzubilden - die Wissensmodelle aus dem Bereich der semantischen Technologien (Ontologien) können dies aber leisten.

Das Projekt dwerft hat in einer Domänen-übergreifenden Kollaboration eine erste Version der „digital media ontology“ (dmo) fertiggestellt und veröffentlicht. Diese stellt das Herzstück der Technologieplattform dar und ist das erste Wissensmodell, welches die gesamte mediale Wertschöpfungskette – von der Idee über die Produktion bis hin zum Archiv - abbildet. Die feingranulare Struktur dieses Wissensmodells erlaubt nicht nur präziseste Suchen bis hin auf Szenenebene, sie bildet gleichzeitig auch maximale Interoperabilität zu anderen, existierenden Ontologien auf Element-Ebene ab.

Auf Basis der digital media ontology kann eine übersetzende Vernetzung stattfinden, die eine Vielzahl von in der Filmbranche eingesetzten Produktions- und Distributionstechnologieherstellern verstehen und einbinden kann. Mit diesen Herstellern möchte das Forschungsbündnis dwerft in den Austausch treten und in der Testphase einbinden, um die Verwertung von Filmen in der Multi-Plattform-Distribution deutlich zu verbessern und den Sendern und Produzenten die Interoperabilität und Schnittstellenunabhängigkeit zur Verfügung zu stellen.

Die Ontologie wurde veröffentlicht unter https://digitalmediaontology.org

Projektziele

Die dwerft forscht an der „Linked Media Data Cloud“ (LMDC) in der sämtliche Daten semantisch miteinander in Beziehung gesetzt und dann für alle Beteiligten individuell und intuitiv nutzbar gemacht werden. Die Plattform soll allen Software-Lösungen in Film und TV eine transparente Möglichkeit von Geben und Nehmen bieten, statt einzelnen Anbindungen unterschiedlicher Software-Lösungen. Mit der Technologieplattform LMDC können Anwendungstools aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette dynamisch vernetzt werden. Durch die verlustfreie Speicherung und intelligente Verbindung von Metadaten in einer semantisch gestützten Datenbank soll eine modulare Anpassungsfähigkeit an die Marktdynamik erreicht werden.

Neben den Redakteuren, die damit viel einfacher und umfassender passende Inhalte finden können, profitieren auch die Zuschauer. Mediatheken können auf der Basis der entwickelten Lösung mit neuen Suchmöglichkeiten ausgestattet werden – aufbauend auf den automatisiert gewonnenen Informationen, wie beispielsweise zu Drehorten oder zur Hintergrundmusik. Aber auch innerhalb der Wertschöpfungskette werden Arbeiten erleichtert, da die Weitergabe von Metadaten nicht mehr manuell, sondern automatisiert erfolgen kann.

„Wir sind sehr froh gemeinsam mit den assoziierten Partnern den Erfahrungsaustausch bezüglich unserer Forschungsarbeit voranzutreiben. Außerdem bietet sich für unser Projekt eine sehr gute Möglichkeit, Lösungsansätze ganzheitlich und mit dem vernetzten Ansatz zu betrachten und in der Praxis zu testen.“, sagt Mark Gülbahar, technisch-wissenschaftlicher Leiter der dwerft und Projektleiter beim Institut für Rundfunktechnik.

Pressemitteilung

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