Design für alle - Barrierefreiheit

Im Zeitalter der Konvergenz von Fernsehen und Internet gilt es mit Hilfe neuer tech­nischer Möglichkeiten die barrierefreien Angebote auszuweiten, um allen Menschen einen niederschwelligen Zugang zu Medieninhalten zu ermöglichen.

Das IRT setzt sich dafür ein, dass auf allen Verbreitungswegen der Medienzugang für jeden, unabhängig von seinen Fähigkeiten, nicht nur möglich, sondern auch attraktiv ist. Es erarbeitet Konzepte für einen einheitlichen Zugang zu barrierefreien Diensten und zeigt auf, wie Zusatzdienste effizienter produziert und verbreitet werden können. Im Querschnittsthema „Barrierefreiheit“ werden eigene Lösungen für Schwerhörigen-Untertitel und Sprachverständlichkeit entwickelt, aber auch das Know-how von anderen Themenbereichen wie beispielsweise Künstliche Intelligenz und Portale genutzt.

Untertitelung

Die Untertitelung ist ein essentieller Service für den barrierefreien Zugang zu heutigen Medieninhalten. Gehörlosen oder schwerhörigen Zuschauern dienen Untertitel dazu, den Dialog im Fernsehen oder bei Streaming-Diensten zu folgen. Zudem ermöglicht sie es interessierten Zuschauern, die Übersetzung eines fremdsprachigen Dialoges in Textform mitzulesen.

Das IRT unterstützt die Rundfunkanstalten bei der Verbreitung ihrer Untertitelangebote in den Mediatheken. Das Augenmerk liegt dabei unter anderem auf der Implementierung des einheitlichen Untertitel­formats IMSC, welches eine reibungslose Auslieferung von Untertiteln über das Internet sicherstellen soll. Für die Konvertierung aus bestehenden Untertitelformaten wurde im IRT eine Open-Source-Software entwickelt. Darüber hinaus beschäftigt sich das IRT mit der Verbreitung von (Live)Untertiteln für Internet-Streams auf Desktop und Mobilgeräten, um sicher zu stellen, dass europäische und internationale Standards berücksichtigt werden.

Mit dem Untertitelkonvertierungs-Framework SCF und der Untertitelvalidierungs-Engine Subcheck arbeitet das IRT an zwei Open Source Tools zur Konvertierung und Validierung von Untertiteln. Dafür wird ein durchgehender Workflow ermittelt und beschrieben, des Weiteren werden Wege zur Realisierung aufgezeigt. Ziel ist es, so den Untertitel lediglich einmal, für alle Endgeräte und Verteilwege, produzieren zu müssen. Eine möglichst automatisierte Generierung von Untertiteln mit Hilfe von KI wird ebenfalls in Betracht gezogen.

Zum Subcheck

Sprachverständlichkeit

Sprachverständlichkeit ist nicht nur für Normalhörende ein Thema, sondern insbesondere auch für Hörgeschädigte. Dies betrifft sowohl Hörgeräteträger mit mittlerer bis schwerer Hörschädigung als auch leicht hörbeeinträchtigte Menschen, die noch nicht unbedingt auf eine Hörhilfe angewiesen sind – beispielsweise bei einer altersbedingten Hörminderung.

So werden beispielsweise bereits bei der Aufnahme häufig so viele Nebengeräusche mit der Sprachspur aufgezeichnet, dass es für Menschen mit Beeinträchtigungen im Audiobereich fast unmöglich wird, den Sprecher zu verstehen. Lediglich die Sprachspur regelbar zu machen, hilft hier nicht weiter, da mit einer Verstärkung der Sprachspur die darauf enthaltenen Nebengeräusche ebenfalls verstärkt würden. Um dem Problem entgegenzuwirken, entwickelt das IRT einen Algorithmus, der das reine Sprachsignal aus einem komplexen Audiosignal herausheben soll.

Um allgemein die Möglichkeiten für die Verbreitung eines sprachverständlicheren Audiosignals deutlich zu verbessern, arbeitet das IRT zusammen mit Rundfunk und Industrie an der Evaluation und Weiterentwicklung von vorhandenen technischen Lösungsansätzen, sowie an der internationalen Harmonisierung von Untertiteltechnologien.

Barrierefreiheit in immersiven Umgebungen

Bei immersiven Medienangeboten fehlt es bislang noch an Erfahrung, wie hör- und sehgeschädigten Nutzern die Inhalte barrierefrei zu vermitteln sind. Das EU-Projekt Immersive Accessibility (ImAc) untersucht, wie die entsprechenden Zusatzangebote (Untertitel, Audio-Deskription, Audio-Untertitelung, Gebärdensprache) optimal in die neuen immersive Medien integriert werden können. Die wichtigsten Maßnahmen im Rahmen von ImAc bestehen darin, immersive Erfahrungen inklusiv zu gestalten, dabei auch verschiedene Sprachen zu berücksichtigen und auf die Bedürfnisse von Menschen mit Hör- und Sehschwierigkeiten, Lernschwierigkeiten und verschiedenen Alters zu reagieren.

Bereits im EU-Projekt 2-Immerse wurde mit Hilfe von Augmented Reality (AR) demonstriert, wie virtuelle Objekte in die reale Umgebung projiziert werden können. In Kooperation mit ARD-aktuell und Phoenix wurde eine prototypische Anwendung auf Messen vorgestellt, die zeigt, wie TV-Programme um einen Gebärdensprecher, der über eine AR-Brille in das Sichtfeld des Zuschauers projiziert wird, werden können.

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„One-Button“-Prinzip

Neben der bedarfsgerechten Gestaltung der Dienste selbst, ist ein einfacher und möglichst einheitlicher Zugang zu allen barrierefreien (Zusatz-)Diensten nötig. Zu diesem Zweck entwickelt das IRT ein „One-Button“-Prinzip, wodurch Nutzern die Möglichkeit geboten wird, mit einem Knopfdruck ein Menü zu öffnen, in dem die unterschiedlichen barrierefreien Dienste zu audiovisuellen Inhalten aktiviert werden können.