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Objektbasierter Ton

Frau im Tonstudio mit Workstations

Hören wie der Produzent es beabsichtigt, nicht wie das Endgerät es zulässt: das ist das Ziel bei der objektbasierten Audioproduktion. Im Kino gibt es das schon, im Rundfunk beginnt die Ablösung der kanalbasierten Audioproduktion gerade erst. Das Ziel: ein unverfälschtes Hörerlebnis, unabhängig von Umgebung und Wiedergabegerät.

Bei der objektbasierten Audioproduktion entsteht anstelle eines fest definierten Zielformats, wie beispielsweise Stereo oder 5.1 Surround, eine Audioszene, die aus mehreren Audioobjekten zusammengesetzt ist.  Bei einem Audioobjekt handelt es sich um die Kombination aus einem Audiosignal und zusätzlichen Metadaten, die zum Beispiel die Position oder die Lautstärke des Objekts beschreiben. Um aus einer solchen Audioszene Lautsprechersignale für ein bestimmtes Wiedergabesystem zu erzeugen, müssen diese aus den Objekten berechnet werden. Dieser Vorgang wird als Rendering bezeichnet. Dies kann entweder sendeseitig vor der Ausstrahlung oder idealerweise zu Hause beim Konsumenten mit einem entsprechenden Endgerät geschehen. Dadurch ist es im Idealfall möglich, mit einer einzigen Produktion alle möglichen, sowohl aktuelle als auch zukünftige, Wiedergabesysteme zu bedienen. Darüber hinaus kann das Rendering dank der separaten Audioobjekte nicht nur an das Wiedergabesystem, sondern auch an die Wiedergabesituation oder an spezielle Bedürfnisse des Konsumenten angepasst werden. In einer lauten Umgebung könnte das Signal beispielsweise mit geringerer Dynamik gerendert werden, so dass auch leisere Passagen noch gut hörbar sind. Ein Beispiel für die Anpassung an spezielle Bedürfnisse wäre z.B. die Möglichkeit für den Benutzer, die Lautstärke des Dialogs selbst zu regeln.

Das IRT hat aus diesem Grund eine experimentelle Produktionsumgebung aufgebaut, die es ermöglicht, den objektbasierten Ansatz praktisch zu erproben. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Tests fließen dabei durch das IRT in die laufenden Entwicklungen und Standardisierungen ein, um so die Anwendbarkeit von objektbasiertem Audio im Rundfunkumfeld zu gewährleisten.

Weitere Informationen zu objektbasiertem Ton

Objektbasiertes Demostück "Am Vorabend des ersten Weltkrieges"

Europakarte mit Symbolen und Personen des Ersten Weltkrieges

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts ROMEO entstand im IRT eine experimentelle Umgebung, die es ermöglicht, objektbasierte Audioproduktionen praktisch zu erproben. 2014 wurde diese erstmals für eine Testproduktion in Kooperation mit dem BR und der BBC R&D genutzt. Das objektbasierte Demo-Stück „Am Vorabend des Ersten Weltkriegs“ fügt Gedichte von August Stramm, Georg Trakl und Wilfred Owen, Zitate aus den Romanen von Henri Barbusse und Erich Maria Remarque, die Kaiserhymne gespielt von Fritz Kreisler, die Rede des französischen Präsidenten Raymond Poincaré zu einer Audioszene zusammen. Im experimentellen Radio-Feature kommen 3D-Raumklang, verschiedene Sprachfassungen und perspektivischen Wechsel sowie interaktive Elemente vor.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesen und weiteren Tests fließen dabei in die laufenden Entwicklungen und Standardisierungsbemühungen ein, um so die Anwendbarkeit von objektbasiertem Audio im Rundfunkumfeld zu gewährleisten.

EU-Projekt ORPHEUS

Ziel des EU-Projektes ORPHEUS ist es, eine komplette objektbasierte Produktionskette für reale Sendeszenarien zu entwerfen.

Weitere Informationen zum Projekt ORPHEUS

Ihr Ansprechpartner

Sebastian Goossens
Sachgebietsleiter
Head of Department
Tel. +49 (0)89 32399-358