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Metadaten

Metadaten – programmbegleitende, struktu­rierte Daten, die Informationen über Merk­male des eigentlichen Programminhaltes ent­halten – bilden die Grundlage für (teil)auto­matisierte Produktions-, Kontributions- und Distributionsworkflows.

Metadaten sind die Voraussetzung für kostengünstige und (teil-)automatisierte Arbeitsprozesse im Bereich der Medienproduktion und Mediennutzung. Sie erlauben perspektivisch, auch mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, die automatisierte Erfüllung von Aufgaben zur Inhaltserschließung (bspw. durch Empfehlungssysteme), zum Rechtemanagement sowie zur Medienproduktion, -distribution und -kontribution.

Ein durchgängiger Metadatenfluss von Recherche über Produktion bis hin zur Ausstrahlung, bzw. zum Archiv oder der Zweitverwertung, ist aus Qualitäts- und Kostengründen erstrebenswert. Jede Unterbrechung im Metadatenfluss erfordert ein händisches Nacharbeiten und Erfassen der notwendigen Daten, sofern diese dann überhaupt noch erfassbar sind.

In Zusammenarbeit mit der ARD untersucht das IRT die Praxistauglichkeit eines einheitlichen Metadatenaustausches. Dabei spielt auch das Thema Semantik, d.h. die Bedeutung und die Beziehung von Metadaten, eine tragende Rolle.

Semantik oder die Beziehung von Metadaten

Aufgrund unterschiedlicher Hersteller und interner, nicht standardisierter Datenstrukturen sind Medienworkflows vielfach nicht interoperabel. Dadurch gehen viele Informationen im Laufe des Produktions- und Distributionsprozesses verloren und müssen mit hohem personellem Aufwand systemübergreifend aggregiert werden. Die möglichst weitgehende Vernetzung der Wert­schöpfungs­kette bzw. die Strukturierung der Informationen sollen dadurch verbessert werden, dass neben der Erzeugung von eindeutigen Metadatensätzen auch deren Bedeutung erfasst wird.

Semantisch vernetzte Metadaten ermöglichen u.a. neuartige Assistenzsysteme für Redakteure und Journalisten, zur intuitiv nutzbaren semantischen Suche bzw. Navigation. Ebenfalls ermöglicht wird dadurch die Verknüpfung der Ergebnisse aus audiovisuellen Analysetools (speech-to-text etc.) mit semantischen Textstrukturierungslösungen zur (teil-)automatisierten Anreicherung von Metadaten bis auf Szenen-Ebene (bspw. „In welcher Szene schüttelt Angela Merkel die Hand von Wladimir Putin?“).

Auch Endnutzer profitieren von der semantischen Vernetzung von Metadaten, bspw. durch intuitivere Such- und Navigationsmöglichkeiten in Mediatheken oder Apps. Ermöglicht wird so auch eine effi­zien­tere semantische Empfehlungsvergabe in Recommender-Systemen auf Basis des Nutzerverhaltens.

In Zusammenarbeit mit den Rundfunkanstalten prüft das IRT semantische Einsatzfelder, mit dem Ziel, neuartige Mediendienste anbieten und in den verschiedenen Bereichen der medialen Wert­schö­pfungskette Einsparungen ermöglichen zu können. Neben technischen werden auch ökonomische, qualitative, strukturelle, organisatorische, wettbewerbliche und standardrelevante Aspekte betrachtet. 

Mehr zum Thema

Broadcast Metadata Exchange Format (BMF)

Um einen reibungslosen Metadatenaustausch zu ermöglichen, bedarf es der Standardisierung und Harmonisierung von Metadaten. Hierfür hat das IRT, unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen von ARD, ZDF das Broadcast Metadata Exchange Format (BMF) entwickelt.

BMF bietet ein umfangreiches Metadaten-Vokabular für die Bereiche Fernsehen, Hörfunk und Online. Es unterstützt damit die redaktions-, medien- und standortübergreifende Kooperation und Vernetzung durch den IT-gestützten Austausch von Metadaten in einem einheitlichen Format. Als Lingua Franca im Metadatenaustausch erhöht es die Wiederverwendbarkeit von Metadaten-Implementierungen und steigert die Interoperabilität des Metadatenaustauschs zwischen IT-Systemen und verschiedenen Anwendungsszenarien.

Die BMF-Modellierung deckt Informationsanforderungen aus vielen Bereichen wie Planung, Produktion und Verbreitung ab. Dazu wurden in besonders enger Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen von ARD und ZDF verschiedene Anwendungsfälle sorgfältig evaluiert.

BMF-Beratungsleistungen

Bei der Umsetzung des BMF-konformen Metadatenaustausches bietet das IRT Beratungs­leistungen:

  • Beratung bei der Anwendung des BMF-Klassenmodells sowie der Implementierung eines BMF-XML Schemas
  • Analysen von Use-Cases (Anwendungsfällen) und Erstellung von Anforderungsdokumenten
  • Abbildung der für gegebene Anwendungsfälle erforderlichen Informationen auf die entsprechen­den Teilmengen des BMF-Klassenmodells
  • Erstellen von anwendungsspezifischen BMF-basierenden XML-Teilschemas
  • Erstellen von BMF-XML-Beispielinstanzen gemäß Kundenanforderungen bzw. gegebener Anwendungsfälle, abgeleitet vom BMF-XML-Schema
  • Überprüfung von BMF-XML-Instanzen auf Standardkonformität
  • Pflege und Erweiterung des BMF-Klassenmodells gemäß sich ergebender Anforderungen

Medienbegleitkarte

 

Im Zuge der IT-basierten Produktionsumgebung hat auch die MAZ-Karte in Papierform ausgedient. Nun vereinfacht die Medienbegleitkarte die Workflows bei der (externen) Datenanlieferung im Ingest, in der technischen Abnahme und bei der Weitergabe (Stichwort Medienfiletransfer).

Die elektronische Medienbegleitkarte beinhaltet Metadaten für Sendungen, Beiträge, einzelne Dreh- und Rohmaterialien sowie für die Sammlung von Drehmaterial auf einem Datenträger. Sie wird zusammen mit dem Audio-/Videomaterial vorgehalten und erlaubt so eine schnelle und effiziente Weiterverarbeitung der Daten.

Die Medienbegleitkarte wurde vom IRT in enger Zusammenarbeit mit den Fernsehbetrieben von ARD und ZDF entwickelt, wo sie heute auch in weiten Teilen eingesetzt wird. Dazu wurden intensiv die relevanten Anwendungsfälle und Anforderungen aus dem Betrieb analysiert. Sie ist als BMF-basierendes XML-Teilschema verfügbar.

 

 

Medienfiletransfer (MFT) 2.0

 

Mit der erfolgreichen Einführung des Medienfiletransfers 2.0 der ARD (MFT 2.0) in 2018, begleitet durch das IRT, konnte der Filetransfer in die Content-Management-Systeme (CMS) der Fernsehproduk­tionen voll integriert werden. Dadurch wurden neue Workflows geschaffen, bei denen die Redakteure selbst in die Lage versetzt werden, Mediendateien mit anderen Rundfunkanstalten auszutauschen. Neu ist der umfangreiche Austausch von materialbegleitenden Metadaten mittels Medienbegleitkarte, ergänzt um erforderliche Lieferinformationen. Die Struktur der Metadaten ist als Teilschema entsprechend BMF festgelegt und in den CMS implementiert. Somit können ohne Medienbrüche umfangreiche Informationen zu Sendungen, Beiträgen, Clips, Rohmaterialien, Bildern, Sammlungen von Drehmaterial und vieles mehr zwischen den Rundfunkanstalten ausgetauscht werden.

MFT 2.0 Eingabetool

Neben dem voll integrierten Medienaustausch zwischen den Produktions-CMS der Rundfunkanstalten kann der MFT 2.0 auch manuell über ein Control-Center des Transfersystemherstellers Tixel genutzt werden. Dabei werden die für den Transfer und Anwendungsfall erforderlichen Daten über ein vom IRT entwickeltes Eingabetool erfasst und entsprechend dem BMF-Teilschema für den MFT 2.0 verpackt. Das Eingabetool garantiert die Datenqualität, welche zur weiteren Verarbeitung in den Produktions-CMS der Empfänger erforderlich ist.

 

 

weConnect

 

Mit weConnect führt der ARD-Hörfunk in 2019 ein neues Austauschkonzept auf Basis moderner Restschnittstellen ein. Dabei werden Produktions-, Dispositions- und Redaktionssysteme sowohl hausintern, als auch rundfunkanstaltsübergreifend über eine einheitliche Schnittstelle miteinander verbunden. In diesem Verbund können einzelne redaktionelle Stories bestehend aus Schaltgesprächen, Live-Übertragungen, Audiofiles, Skripte, Bilder oder vieles mehr, untereinander geplant bzw. ausgetauscht werden. Der Metadatenumfang einer Story ist als XML-Container gemäß SML (Story Markup Language: Teilschema von BMF) festgelegt.

Das IRT unterstützt in Phase 1 die Rundfunkanstalten bei der Ablösung des bestehenden Audiofiletransfers und der zentralen Leitungsdisposition durch weConnect. In Phase 2 begleitet das IRT die Einbindung der Redaktionssysteme in den Kommunikationsprozess, wodurch dann der volle Nutzen von weConnect für die Rundfunkanstalten spürbar wird.

 

 

Metadaten für die Distribution

Für die Bereitstellung und Bewerbung von Sendungen und Beiträgen auf den unterschiedlichsten Distributionsplattformen (linear, on demand oder Download) sind hochwertige Metadaten erforderlich. Mit dem „ARD Metadatenkranz“ wurde dazu vom IRT in Zusammenarbeit mit den Rundfunkanstalten ein umfangreicher Datensatz erarbeitet, als Teilschema von BMF modelliert und als einheitliches Austauschformat für Distributionsmetadaten in der ARD festgelegt. Mit Umstellung auf dieses neue Format reduziert sich die Anzahl der erforderlichen Exportschnittstellen bei den Rundfunkanstalten auf nur noch eine einzige Schnittstelle. Das Umsetzungsprojekt für die Zulieferung von EPG-Daten (Electronic Program Guide) für das lineare Programm an das Play-Out-Center Potsdam, sowie die Zulieferung von Mediatheksinhalten an ARD.de wurde Ende 2018 gestartet.

Auskunftsanspruch von Urhebern/Leistungsschutzberechtigten (medas/Urheber)

 

Im Urheberrechtsgesetz ist seit dem 1. März 2017 ein Auskunftsanspruch verankert, wonach Urheber/Leistungsschutzberechtigte Anspruch auf Informationen zur wesentlichen Nutzung ihres Werkes haben. Um dem Anspruch gerecht zu werden, tragen die einzelnen Rundfunkanstalten Veröffentlichungsinformationen und Informationen zu den Mitwirkenden für relevanten Produktionen zusammen und übermitteln diese an ein zentrales Auskunftssystem (medas). Für den Datenaustausch zwischen den Rundfunkanstalten und medas soll ein Teilschema von BMF eingesetzt werden, bei dessen Einführung das IRT unterstützend mitwirkt.

 

 

Ihr Ansprechpartner

Uwe Felderhoff
Projektleiter
Project Manager
Tel. +49 (0)89 32399-317
uwe.felderhoff @ irt.de

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