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Drahtlose Produktionstechnik

Kameramann und Reporter

Auf der Bregenzer Seebühne, den Wahlpartys bei einer Bundestagswahl oder am Spielfeldrand nach dem Endspiel einer Fußballweltmeisterschaft – drahtlose Mikrofone sind nicht wegzudenken. Um eine störungsfreie Nutzung zu ermöglichen, bietet das IRT im Corporate Network der ARD das Software-Tool FreqScan an.

Da drahtlose Anlagen nur sogenannte sekundäre Anwender in ihren Frequenzbereichen sind, muss immer mit Störungen durch primäre Nutzer, wie TV-Sender gerechnet werden. Um ein Mikrofon störungsfrei betreiben zu können, muss am Einsatzort ein von DVB-T nicht belegter Kanal gefunden werden. Diese sogenannten White Spaces verteilen sich unterschiedlich über das Bundesgebiet, wodurch es vorab für die Planung wichtig zu wissen, welche Fernsehkanäle wirklich unbelegt sind, um nun das mit dem White Space kompatiblen Mikrofon am Einsatzort dabei zu haben. Das Auffinden von freien Frequenzen zur Nutzung von drahtlosen Mikrofonen ist somit ein zentrales Element und ein Frequenzsucher für die Außenproduktion ein wichtiges Tool im Werkzeuggürtel der Planer und Koordinatoren dieser Produktionen.

Frequenzsucher FreqScan

Um freie Frequenzen für den Produktionsfunk zu finden, wurde vom IRT der Webdienst FreqScan entwickelt. Sie gibt ortsgenau an, welche Frequenzen drahtlosen Mikrofonen zur Verfügung stehen. Die Bedienung erfolgt über eine anklickbare Karte oder eine Adresssuche. Damit errechnet FreqScan eine Feldstarkeprognose, die alle TV-Sender Deutschlands und teilweise auch der angrenzenden Nachbarländer berücksichtigt. Das Ergebnis wird dann für die Fälle indoor und outdoor in einer Tabelle dargestellt. FreqScan ist immer aktuell: alle Senderdaten werden regelmäßig, mindestens einmal im Monat, auf den neusten Stand gebracht.

FreqScan steht seit April 2009 den Rundfunkanstalten zur Verfügung. Für die Benutzung von FreqScan ist ein Internet-Browser und ein Zugang zum Corporate Network (CN) erforderlich.

FreqScan

Wireless Camera Spectrum

Drahtlose Kameraanwendungen nehmen in den letzten Jahren weiter zu. Das vorhandene Frequenzspektrum ist allerdings beschränkt. Die in Deutschland dafür primär genutzten Frequenzen liegen im Bereich 2,3 - 2,4 GHz. Dieser Bereich muss mit Funkanwendungen von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), also z. B. mit Polizei und Feuerwehr, geteilt werden. Zudem ist besonders der obere Frequenzbereich durch die immer dichter werdende Belegung des angrenzenden ISM-Bandes (2,4 GHz) durch WLAN häufig gestört und für eine Liveproduktion nicht mit ausreichender Zuverlässigkeit und Qualität zu nutzen. Das IRT beteiligt sich seit Jahren an den Arbeiten in den zuständigen CEPT-Arbeitsgruppen, um weitere Frequenzbereiche für Video-PMSE Anwendungen zu öffnen. Erste Ergebnisse dieser Arbeit sind, dass das in Europa ungenutzte Mobilfunkband 2010 - 2025 MHz in Zukunft von PMSE genutzt werden kann und damit das in vielen europäischen Ländern für PMSE genutzte 2025 - 2110-MHz-Band nahtlos erweitert. Ebenso wird es in Zukunft unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein, den Bereich 2,7 - 2,9 GHz zu nutzen. Diese Frequenzen werden unter anderem punktuell von der Flugsicherung zur Überwachung des Luftraums verwendet.

Das macht eine Koordinierung dieser Frequenzen zwischen den Diensten aus nachvollziehbaren Sicherheitsgründen aufwendig. Es bietet sich deshalb an, fest installierte, lokale PMSE-Anwendungen mit diesen Frequenzen an ausreichend weit entfernten Veranstaltungsorten, wie z. B. Fußballstadien, zu lizenzieren. Auch weiterhin wird sich das IRT um die Nutzung neuer Spektrumsbereiche für PMSE bemühen. Für Audio-PMSE wird derzeit z. B. die Nutzung der Bereiche 1350 – 1400 MHz und 1492 - 1525 MHz diskutiert.

Ihr Ansprechpartner

Dr. Roland Brugger
Sachgebietsleiter
Head of Department
Tel. +49 (0)89 32399-436